SO Journal Frühjahr - page 23

OPER
Repertoire
»Il Turco in Italia«
»Es scheint immer unmöglich,
bis es getan ist.«
(Nelson Mandela)
Als Nelson Mandela starb, haben Sie obiges Zitat auf Ihre fa-
cebook-Seite gestellt. Sein Tod bewegte zahlreiche Menschen
auf der ganzenWelt tief, und natürlich besonders in Südafri-
ka. Wie für Sie war Nelson Mandela für viele Menschen ein
Vorbild und ein Idol. Haben Sie ihn je persönlich getroffen?
Pretty Yende:
Leider hatte ich nie das Privileg, ihn per-
sönlich zu treffen. Es hätte mir unendlich viel bedeutet.
Es gibt vergleichsweise wenige südafrikanische Künstler in eu-
ropäischen Opernhäusern – aber sie sind alle herausragend
wie Johan Botha, Colin Lee, Elza van den Heever oder der lei-
der viel zu früh verstorbene Deon van derWalt. Ist es für Sän-
ger aus Südafrika schwieriger, sich auf dem europäischenMu-
sikmarkt durchzusetzen als für Sänger aus Asien oder den
osteuropäischen Ländern?
Pretty Yende:
Die Opernwelt ist eine komplexe Kunst-
form, und ich habe schnell gelernt, dass es hier zwar
einen enorm großen Markt gibt, der aber dann doch
klein ist, wenn es darum geht, wirklich herausragende
Talente zu finden. Wir Südafrikaner sind glücklicher-
weise Teil dieser wunderbaren Musikkultur. Für die
zahlreichen großartigen Gelegenheiten, die sich mir im
Laufemeiner bisherigen Karriere geboten haben, bin ich
besonders dem Teatro alla Scala in Mailand und mei-
nem jetzigenManagement dankbar. AmEnde zahlt sich
harte Arbeit aus, und als Sängerin erfolgreich zu sein, er-
fordert viel Disziplin und Hingabe, egal aus welchem
Land man kommt.
Sie erhielten Ihre musikalische Ausbildung an der Cape Town
Opera School in Kapstadt und nahmen dann an Meisterkur-
sen bei Montserrat Caballé, Renée Fleming und Belcanto-
Spezialistin Mariella Devia teil. Wie kam es dazu, und wer
hat Sie besonders beeindruckt?
Pretty Yende:
Meinen Lehrern in Südafrika werde ich
ewig dankbar sein! Von ihnen habe ichmeine gute Tech-
nik gelernt, die es mir erlaubt, diesen Karriereweg zu
gehen und mit so unglaublichen Künstlerinnen wie
Renée Fleming zu arbeiten. Ich lernte Renée in Süd-
afrika kennen, als sie dort auf einer Tournee war. Zwi-
schen ihren Konzerten gab sie für ein paar Studenten
Meisterkurse und ich war eine der Glücklichen, die
dabei sein durften. Montserrat Caballé habe ich wäh-
rend ihres Gesangswettbewerbs in Spanien getroffen,
bei dem ich den ersten Preis gewonnen habe. Sie hat
mich sehr beeindruckt und inspiriert, besonders durch
ihr Belcanto-Repertoire und ihr schönes Legato. Ma-
riella Devia habe ich erst vor Kurzem kennengelernt, sie
ist jetzt meine Gesangslehrerin. Durch den Unterricht
bei ihr habe ich noch einmal große stimmliche und
technische Fortschritte gemacht.
Sie haben wichtigeWettbewerbe gewonnen, beimWiener Bel-
vedere-Wettbewerb 2009 gleich vier Preise, was ganz außer-
gewöhnlich ist. Was ist das Geheimnis Ihres großen Erfolges?
Pretty Yende:
Da gibt es gar kein Geheimnis. Ich erinnere
mich stets daran, dass ich – obwohl die Opernwelt ex-
trem von Wettbewerben geprägt ist – immer nur im
Wettbewerb mit mir selbst stehe. Gesangswettbewerbe
waren zu Beginn meiner Karriere für mich vor allem
eine Gelegenheit,mich bei Intendanten und Casting Di-
rektoren vorzustellen und so Einladungen zuVorsingen
zu erhalten. Ich habe nicht teilgenommen, um zu ge-
winnen, sondern vor allem wegen dieser Vorsingen.
Und ich glaube, genau deswegen habe ich dann so oft
gewonnen: weil ich keinen Druck verspürte, besser als
die anderen sein zu müssen.
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JOURNAL 4.2013/14
»… was für eine Legende, ein Vorbild! Mein Held, der mich
ermutigte, meine Flügel zu spreizen und mir ohne Angst
voller Stolz die Welt zu erobern, starb letzte Nacht.«
Pretty Yende am 5. Dezember auf ihrer facebookSeite über
Nelson Mandela
Rossinis Musik ist für mich ein Wunder
Sopransenkrechtstarterin
Pretty Yende
singt ihre erste Fiorilla in Hamburg
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