Note und Pause durchkalkuliert und niedergeschrieben
ist. Er tat alles, um die Sänger glücklich zu machen.
Das Hamburger Publikum wird Sie nun als Fiorilla in »Il
Turco in Italia« erleben. Fiorilla ist eine sehr eigenwillige le-
benslustige Frau. Was gefällt Ihnen an der Partie?
Pretty Yende:
Ich bin ziemlich aufgeregt, denn die Fiorilla
in Hamburg ist mein Rollendebüt. Diese außerordent-
liche Partie zu lernen, hat riesigen Spaß gemacht, sie hat
so brillante Gesangslinien, da macht das Singen einfach
große Freude. Außerdem ist es eine Figur mit so vielen
Facetten: Fiorilla ist lebenslustig, voller Energie, char-
mant und geistreich. Ich mag es sehr, wie unbeschwert
sie aller Welt zeigt, dass sie lieben will, wann immer sie
möchte, auch wenn sie dabei manchmal die Partner
wechselt. Die Musik, mit der Rossini diese Rolle ver-
sieht, versinnbildlicht, wie perfekt diese Figur eine be-
stimmte Klaviatur beherrscht, als Sängerin wie als Frau.
Die Männer umgeben die schillernde Fiorilla wie Mot-
ten das Licht und machen sie erst zu dem, als das sie er-
scheint. Und doch, wenn ihr Ehemann Don Geronio sie
schließlich aus dem Hause jagen will, lernt man eine
ganz andere verletzliche Seite dieser Figur kennen. Keine
Arie in dieser opera buffa ist länger und tragischer als
Fiorillas Reuegesang. Es ist ein kleiner Moment, wo die
Komödie in die Tragödie abzugleiten droht.
Interview Bettina Bermbach und Annedore Cordes
Szene aus »Il Turco in Italia«
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JOURNAL 4.2013/14
»Turandot«
OPER
Repertoire
Il Turco in Italia« »La Bohème« »La Traviata«
Sind soziale Beziehungen wichtig für Sie, sofern Sie neben
Ihrer Arbeit als international gefragte Sängerin Zeit für an-
dere Dinge finden?
Pretty Yende:
Natürlich hat die Arbeit für mich einen
hohen Stellenwert. Sie ist ein entscheidender Teil meines
Lebens geworden, und dennoch lerne ich immer mehr,
dass auch mein Privatleben wichtig ist. Ich bin eine
junge Frau, ich liebe es, mich mit Freunden zu treffen,
die übrigens gar nicht alle in derMusikbranche arbeiten,
und ich verbringe Zeit mit meiner Familie. Dies alles er-
füllt mein Leben, und diese Balance ist auch wichtig,
damit ich als Künstlerin immer besser werde.
Wie stehen Sie zu Rossinis Musik?
Pretty Yende:
Rossinis Musik ist für mich schlicht ein
Wunder. Seine Art, wie er die Melodien ausschmückt,
wie er die Ensembles durch außergewöhnliche Rhyth-
men mit Leben erfüllt, wie er dem Orchester seinen
rechtmäßigen Platz zuweist und wie er die Sänger in den
Dienst seiner Musik stellt, ist einzigartig. Ich glaube,
Rossini war der wahre Schöpfer des Belcanto. Seine
Musik ist witzig, seine Stücke haben ein breites Themen-
spektrum und scharf gezeichnete Charaktere. Alles
wirkt lebensnah, sinnlich, geistreich, als wäre es aus dem
Augenblick heraus geboren, und das ist so, weil es bis ins
kleinste Detail, bis in die kleinste Faser, bis in die kleinste
Pretty Yende
(Fiorilla) ge-
lang das Kunststück, bei re-
nommierten Wettbewerben
wie dem Internationalen Bel-
vedere in Wien oder dem
Operalia Competition in Ma-
drid zugleich mehrere Preise
zu gewinnen. Inzwischen ist
die südafrikanische Sopra-
nistin an ersten Häusern wie
der Mailänder Scala, der New
Yorker Met, der Los Angeles
Opera, dem Theater an der
Wien oder der Deutschen
Oper Berlin zuhause.
GIOACHINO ROSSINI
Il Turco in Italia
Musikalische Leitung:
Alfred Eschwé
Inszenierung:
Christof Loy
Bühnenbild und Kostüme:
Herbert Murauer
Licht:
Reinhard Traub
Chor:
Christian Günther
Spielleitung:
Petra Müller
Selim
Tigran Martirossian
Donna Fiorilla
Pretty Yende
Don Geronio
Renato Girolami
Don Narciso
David Alegret
Prosdocimo
Viktor Rud
Zaida
Juhee Min
Albazar
Sergiu Saplacan
Aufführungen
20., 27. Februar; 1., 4. März 2014
um 19.30 Uhr